Rezension: Drei auf Reisen von David Nicholls

Drei auf ReisenVor Kurzem habe ich Drei auf Reisen von David Nicholls beendet. Ich kannte den Autor bereits durch das Buch Zwei an einem Tag, das mir damals sehr gefallen hatte. Zudem hat er auch das Buch Ewig Zweiter geschrieben, was ich bisher aber noch nicht gelesen habe. Ich frage mich übrigens, warum immer eine Zahl wie zwei oder drei in seinen Buchtiteln vorkommt, jedenfalls bei den deutschen Versionen. Ich bin gespannt, was da als nächstes kommt 😉 Drei auf Reisen ist übrigens beim Verlag Kein&Aber erschienen mit der Überschrift:  „Nach dem Bestseller über das Finden der großen Liebe nun die Geschichte darüber, wie man sie auf keinen Fall verliert.“

„Drei auf Reisen“ handelt von einem langjährigen Ehepaar, Douglas und Connie, das zusammen mit ihrem Teeny-Sohn, Albie, eine Europareise unternehmen. Obwohl die beiden kurz vor der Scheidung stehen, haben sie sich für diese Reise entschlossen, um einen letzten gemeinsamen Urlaub zu dritt zu verbringen bevor ihr Sohn erwachsen wird und aufs College geht. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Douglas erzählt, immer wieder unterbrochen durch Rückblenden, die die verschiedenen Stationen der Beziehung zu Connie erzählen. Je weiter die Geschichte fortschreitet, umso mehr versteht der Leser, aus welchen Gründen die Beziehung zwischen Douglas und Connie fast am Ende ist. Mit jedem Puzzlestück sind die Reaktionen der drei Protagonisten nachvollziehbarer und fügen sich schließlich zu einem großen Ganzen zusammen. Keine der drei Personen hat einen einfachen Charakter, jede hat für sich seine Eigenarten, die es den anderen schwer machen. Daher ist die Reise auch alles andere als erholsam, insbesondere ab dem Punkt, an dem Albie abhaut und seine Eltern versuchen, ihn ausfindig zu machen.

Kurz vor Lesebeginn des Buches hatte ich plötzlich leichte Zweifel, ob dieses Buch wirklich etwas für mich ist. Weder mit einer langjährigen Ehe noch mit einer Scheidung habe ich Erfahrung und daher  hatte Bedenken, ob ich mich in die Figuren hineinversetzen könnte. Direkt nach den ersten Seiten war für mich jedoch klar: das Buch ist definitiv etwas für mich und wie!

Da die Handlung aus Sicht von Douglas, nur gegen Ende des Buches wechselt die Perspektive für kurze Zeit, erzählt wird, erlangt man als Leser einen sehr genauen Blick in seine Gefühlswelt. Nicholls hat diese sehr gefühlvoll und differenziert beschrieben, sodass ich richtig mit Douglas mitfühlen konnte. Auch sonst hat mir die Charakterenzeichung sehr gefallen, auch wenn ich nicht immer alles nachvollziehen konnte bzw. wollte. Connie blieb mir bis zum Ende eher unsympathisch, trotzdem, oder vielleicht auch genau deshalb, kamen mir die Figuren sehr authentisch vor.

Im gesamten Buch herrscht zwar eine gewisse melancholische Grundstimmung, allerdings ist vieles sehr humorvoll beschrieben, sodass ich doch teilweise ziemlich amüsiert war. Besonders die Situation, in der sich Douglas und Connie kennengelernt haben, war teilweise einfach lustig. Auch das typische Teenie-Verhalten von Albie hat immer wieder dazu beigetragen, die Stimmung etwas aufzulockern, auch wenn er sich meistens unausstehlich verhalten hat.

Die bereisten Städte spielen in dem Buch eher eine Nebenrolle und erfüllen meist das Klischee, das wohl jeder Leser bereits zu den Städten im Kopf hat. Dies ist allerdings nicht allzu tragisch, da diese eher nur die Kulisse für die eigentliche Handlung darstellen, trotzdem werden mit den Ortsbeschreibung einige Situationen sehr schön untermalt.

Ich hatte mit Douglas das gesamte Buch über Mitleid. Er möchte zwar alles richtig machen und seine Fehler wieder geradebiegen, aber so richtig raus aus seinem gewohnten Verhaltensmuster kommt er auch nicht. Sehr ausdauernd versucht er seinen Sohn zu finden und nimmt dafür einiges in Kauf, um endlich alles einmal „richtig“ zu machen.

Ich möchte nicht zu viel verraten, aber das Ende hat mir ausgesprochen gut gefallen. Mit einem anderen Ende wäre ich wohl auch unzufrieden gewesen. Ich denke, es ist recht realistisch und es gab doch noch die eine oder andere überraschende Wende  gegen Ende des Romans. „Drei auf Reisen“ ist ein sehr feinsinniger Roman, den ich nicht so leicht aus der Hand legen konnte, da er mich wirklich angesprochen hat.

Meine Bewertung: starstarstarstarstar

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4 Gedanken zu “Rezension: Drei auf Reisen von David Nicholls

  1. […] Bei Drei auf Reisen von David Nicholls hätte ich vor dem Lesen niemals gedacht, dass es einmal eines meiner Lieblingsbücher 2014 werden würde. Eine Ehepaar, das kurz vor der Scheidung steht und dazu noch beschließt, mit ihrem pubertätsgeplagten Sohn eine Reise quer durch Europa zu unternehmen – klingt auf den ersten Blick überhaupt nicht als wäre es etwas für mich. Ich wurde aber eines Besseren gelernt und war am Ende sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben. Die Gefühlswelt der drei Hauptpersonen ist toll beschrieben, auch keine der drei wirklich einfach ist. Sehr schöne Geschichte einer schwierigen Reise! […]

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