Rezension: Gefallene Engel von Seppo Jokinen

Ich lese recht gerne Krimis, wenn auch nicht andauernd, da ich zwischendurch dann doch immer wieder eine Pause brauche, in der ich Bücher aus anderen Genres lese. Bei Krimis freue ich mich besonders über interessante Ermittler, die in mysteriösen Fällen ermitteln. Dabei muss es nicht unbedingt besonders blutig zugehen, es ist mir eigentlich sogar lieber wenn nicht. Wenn ich aktuelle Krimis sehen, habe ich manchmal fast schon das Gefühl, dass die Todesarten in Krimis immer grausamer und abstruser sein müssen, um damit um die Aufmerksamkeit der Leser zu haschen. Mich schreckt sowas eher ab und ein bisschen wundere ich mich dann manchmal doch, was in den Köpfen mancher Autoren vorgeht.

Gefallene_Engel_536ce0b7b8b2c_128x170Auf den Krimi „Gefallene Engel“ bin ich wieder durch Lovelybooks aufmerksam geworden. Mir scheint, dass Bücher aus Finnland zurzeit etwas mehr promotet werden, wohl aus dem Grund, dass Finnland das diesjährige Gastland bei der Frankfurter Buchmesse war. Das finde ich an sich ganz gut, bisher verbinde ich Finnland (noch?) nicht direkt mit tollen Büchern. Es wurde also wirklich mal Zeit für ein Buch von einem finnischen Autor! Gespannt war ich auf das ungewöhnliche Setting in diesem Krimi, da zu Anfang von „Gefallene Engel“ ein Patient eines Pflegeheims für Behinderte vermisst wird. So bildet das Pflegeheim auch den Dreh- und Angelpunkt der Ermittlungen, da einige der anderen,  teilweise doch sehr ungewöhnlichen Patienten eine wichtige Rolle bei der Aufklärung spielen.

Der Ermittler, Koskinen, ermittelt in einem völlig neuem Umfeld: ein ermordeter Rollstuhlfahrer, der in einem Pflegeheim lebte, stellt die Polizei vor Rätsel. Wer würde einen Pflegebedürftigen ermorden? So ganz unschuldig schien der jedoch zu Lebzeiten nicht gewesen zu sein, gemeinsam mit anderen Bewohnern des Pflegeheims bildete er eine Art „Rockerclub“ und terrorisierte so seine Mitmenschen. Im Pflegeheim selber ist auch nicht alles so wie es sein sollte, die Notrufknöpfe für die Nacht halten keinen Mörder auf und manch (ehemaliges) Pflegepersonal erweckt keinen guten Eindruck.  Bei der einen Leiche bleibt es nicht, die alte Rauha, die liebe Seele des Pflegeheims und von Kindheit an ebenfalls gelähmt, wird kurz darauf ebenfalls ermordet. Koskinen und sein Team haben ihre liebe Müh, zu Ergebnissen zu kommen und können dem Mörder zunächst nicht Einhalt gebieten.

„Gefallene Engel“ ist bereits der 6. Krimi rund um den Ermittler Koskinen, wenn auch der erste, der ins Deutsche übersetzt wurde. Leider haben die Ermittlungen für mich nie richtig Fahrt aufgenommen. Die Ereignisse spitzen sich zwar mit den weiteren Morden zu, trotzdem war mir der Verlauf ein wenig zu ruhig. Koskinen war zwar ein durchdachter Ermittler, aber manchmal hätte ich mir schon gewünscht, dass er ein bisschen mehr Gas gibt und das bitte nicht nur beim Sport – der Gute ist seit seiner Scheidung nämlich zum Sport-Fanatiker geworden. Das Privatleben Koskinens war, wie so häufig bei Krimis, auch immer wieder ein zentrales Thema. Dies hat mich jedoch nie gestört, so wirklich warm geworden mit ihm bin ich aber auch nicht. Vielleicht lag das unter anderem an seinem Unvermögen, die Frauen in seinem Umfeld auch nur ansatzweise zu verstehen. Dafür hat mir der Rest des Ermittler-Teams gut gefallen. Die einzelnen Personen waren recht klar umrissen, sodass sie für mich ein recht klares und authentisch wirkendes Bild abgaben. Mobbing unter Kollegen war eines der Themen, das im Buch öfters aufkam, und recht gut thematisiert wird.

Bei der Lösung des Falls tappt Koskinen sehr lange im Dunkeln bis er recht plötzlich einen Geistesblitz hat. Für meinen Geschmack ging dies zu schnell, insbesondere dafür, dass er zuvor nur sehr langsam vorankam. „Gefallene Engel“ ist ein recht ruhiger, aber solider Krimi, den speziell Fans von skandinavischen Krimis gewiss zu schätzen wissen. Mir war er leider etwas zu ruhig und konnte mich dadurch nicht voll überzeugen.

Bewertung: starstarstar

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