Rezension: Blumentochter von Vanessa da Mata

Rezension

 

BlumentochterIm Zentrum von Blumentochter von Vanessa da Mata steht die zu Beginn noch recht junge Giza, die zusammen mit ihren, nur wenige Jahre älteren, Tanten und einer Haushälterin zusammenwohnt. Die ersten Jahre scheinen recht harmonisch, aber sobald die jüngere Tante Florinda in die Pubertät kommen, verändert sich die Stimmung. Giza wird immer mehr zur Außenseiterin, ihre Tanten behandeln sie oft gemein und auch die anderen Bewohner der Kleinstadt meiden sie eher. Giza nimmt dies eine lange Zeit hin bis sie es schließlich wagt, sich nachts in die Nachbarstadt zu schleichen und von den dortigen Menschen endlich echte Warmherzigkeit und ein Zugehörigkeitsgefühl erfährt. Kurz darauf wird klar, dass es ein Geheimnis geben muss, weshalb die Menschen so zu ihr sind – hier beginnt im Roman sich plötzlich Natürliches und Übernatürliches zu vermischen. Schließlich lernt Giza ihre erste große Liebe kennen, ein Problem ist dabei nur, dass eine ihrer Tanten auch ein Auge auf ihn geworfen hat…

Ich bin ja sowieso Lateinamerika-Fan, vielleicht hatte das Buch daher ein leichtes Spiel bei mir, aber ich war ganz verzaubert von den Beschreibungen der opulenten Natur, aber auch den Menschen. Alles erscheint irgendwie (er)drückend, gleichzeitig ist es unheimlich faszinierend. Ich war ein wenig verwundert als im Buch plötzlich Übernatürliches geschah, darauf muss man sich einlassen können. Wer die lateinamerikanische Literatur ein bisschen kennt, dem sagt das Stichwort Magischer Realismus vermutlich etwas. An diesen Stil knüpft die Autorin an, Natürliches und Übernatürliches verschmilzt und niemand nimmt Anstoß daran. Für „normale“ Leser ist dies vielleicht seltsam oder auch unverständlich, zudem lässt auch der Klappentext nichts dergleichen vermuten.

 
Mir haben die wunderschönen Vergleiche und Metaphern, insbesondere zu Beginn des Buches, unglaublich gut gefallen. Ich bin sonst wirkliche keine Zitate-Sammlerin, aber hier konnte ich kaum anders. Und wenn es dann noch um exotische Früchte ging, war ich völlig hin und weg…

 

Die verbotene Frucht war ein Apfel? Nur weil Eva die Mango nicht kannte! (S.13)

Wenn die Sonne unterging, konnte man vom Baum aus das andere Ende der Welt sehen, wir konnten es sogar riechen: den Geruch von deftigen Worten, gut durchzogenen Bemerkungen, nach Stunden aufgetischten Sätzen. (S.11)

 
Leider muss ich aber auch zu einem Kritikpunkt kommen: der Klappentext! Dieser lässt leider etwas ganz anderes vermuten (*klick*). Man denkt, die Geschichte handle hauptsächlich davon, wie Giza nach Jahren wieder in ihre Heimatstadt zurückkehrt. Dies stimmt einfach nicht, gerade einmal die letzten 5 (!!) Seiten handeln von ihrer Rückkehr. Daher finde ich den Klappentext schon recht irreführend, auch wenn es mich nicht groß gestört hat, dass das Buch fast nur von Gizas Aufwachsen in ihrer Heimatstadt handelt.

 
Trotz der Kritik, die ja schließlich nichts an der tollen magisch-fabulösen Geschichte ändern, habe ich mich ein klein bisschen in das Buch verliebt. Ganz speziell die ersten Seiten waren einfach zauberhaft, aber auch den Fortgang mochte ich wirklich gerne. Ich konnte mich recht gut auf die übernatürlichen Situationen einlassen, auch das Geheimnis, das auf Giza lastet, wird zum Ende hin überzeugend aufgeklärt. Für mich ist Blumentochter wirklich ein kleiner Geheimtipp – wenn man denn diese Stilrichtung mag!

 
Meine Bewertung24 Sterne

 

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