Rezension: Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übel von Chris Nolde

Rezension neu

eigentlich ist mein leben gar nicht so übel

Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übel von Chris Nolde hat bei mir gleich den richtigen Nerv getroffen, vielleicht weil ich kurioserweise so mit dem Protagonisten mitfühlen konnte. Max ist 27, seine Beziehung geht den Bach herunter, bei seinem Job wird er gefeuert und nun weiß er gar nicht mehr, was er eigentlich von seinem Leben will. Eigentlich will er ja als Schriftsteller arbeiten, sein erstes Buch „Das traurigste Buch der Welt“ hat ihn zumindest ein klein bisschen berühmt gemacht, allerdings hat das nur dazu geführt, dass ihm fremde Menschen böse Briefe schreiben. Dann verliebt er sich auch noch in die faszinierende Emma, die aber leider überhaupt keine Ironie versteht…

Das Buch hatte ich kurz ja schon in meiner Vorschau des Kein&Aber-Verlags vorgestellt, da ich den Infotext ziemlich interessant fand. Allerdings weiß man nur durch ein bisschen Text oft nicht, ob einem der Stil wirklich zusagt. Dafür sind eigentlich Leseproben da, nur lese ich die eher selten (was eigentlich unlogisch ist). Aber hier fand ich den Stil einfach prima!

„Siebenundzwanzig. Was ist das für ein seltsames Alter? Alt genug, um ernst genommen zu werden, jung genug, um nur Unsinn im Kopf zu haben. Zu alt, um bei solch einem Job gefeuert zu werden, zu jung, um sich bei solch einem Job anbrüllen zu lassen. Zu jung für Hüte, zu alt für Langhaarfrisuren. Zu jung, um Raclette-Abende zu Hause zu veranstalten, zu alt, um bis zum Morgengrauen durch die Klubs zu ziehen.“ (S. 43)

 

Der Protagonist wirkt so verloren, er weiß nicht wirklich, wohin es in seinem Leben gehen soll und alles scheint schiefzugehen – die große Erwachsenenwerden-Krise, aber unglaublich sympathisch und so nachvollziehbar geschildert! Er ist ein typischer Twentysomething in Berlin, da könnte alles so toll und hip sein, aber die Realität sieht dann doch ein wenig anders aus. Das liegt unter anderem auch daran, dass er immer häufiger Panikattaken bekommt, die ihn plötzlich einschlafen lassen. Das Buch ist aber keineswegs deprimierend, sondern richtig witzig! Normalerweise bin ich kein ausgemachter Zitate-Fan aber hier konnte ich mir zwei Zitate nicht verkneifen. Eigentlich gab es noch so viele andere Sätze, die dieses Unverstandenwerden so gut auf den Punkt brachten, aber während des Lesens war ich ein bisschen faul und habe mir nicht alle Stellen markiert…

Ich habe mich beim Lesen öfters gefragt, inwieweit das Buch ein wenig autobiographisch ist – wieviel Chris Nolde steckt in Max Baum? Ich hab mal ein bisschen auf seiner Autorenseite gestalked und doch so einige Parallelen gefunden..

 

„Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übel, versuche ich mir einzureden. Mein Buch Das traurigste Buch der Welt verkauft sich zwar höchstens als Scherzartikel, meine Freundin führt eine Beziehung, in der ich nur gelegenlich mitspiele, und meine Panikattacken haben sich inzwischen auf Restaurants und öffentliche Toiletten ausgeweitet, aber abgesehen von Finanzen, Privatleben und Gesundheit gehts mir ganz gut.“ (S. 15)

 

Das Buch kam für mich einfach zur richtigen Zeit, ich war von der ersten Seite an völlig drin in Maxs Leben und eigentlich wollte ich da gar nicht so schnell wieder weg, aber das Buch hatte ich dann als Schnelleserin leider doch viel zu schnell durch. Ich hätte gerne noch länger sein Unverstandensein-Gefühl verstanden. Ich glaube nämlich, so ein bisschen Max Baum steckt auch in mir drin.

Ich kann das Buch nur allen empfehlen zu lesen, die ein klein bisschen nachfühlen wollen, wie es einem geht, wenn man erwachsen werden und selbst rausfinden muss, wer man eigentlich ist und was man möchte oder auch allen, die dieses Gefühl kennen oder einfach allen, die ein richtig witziges Buch lesen wollen!

 

5 Meine Bewertung

 

**Vielen Dank an den Kein&Aber-Verlag für dieses Rezi-Exemplar**

 

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